0 Die Sammlung Reuschel – Werke (A-Z)
Franz Anton Maulbertsch
Langenargen am Bodensee 1724 - Wien 1796
Erschaffung des Menschen durch Prometheus
Datierung: um 1788
Technik: Öl auf Leinwand
Format: 30,20 cm / 21,10 cm
Inv. Nr.: Rl 38
Katalog Nr.: 14

Der Künstler war Sohn des Malers Anton Maulbertsch, von dem er seine erste künstlerische Ausbildung erhielt. Fünfzehnjährig ging er nach Wien, begann eine Lehre bei Peter van Roy und schrieb sich an der dortigen Kunstakademie ein. 1750 gewann er den ersten Preis des Malereiwettbewerbs der Akademie, die ihn 1759 als ordentliches Mitglied aufnahm. Franz Anton Maulbertsch gehört zu den herausragendsten österreichischen Malern des Spätbarock und des Übergangs zum Klassizismus. Ab 1752 entstanden in 45 Arbeitsjahren Fresken an 59 Orten in Österreich, Ungarn und Mähren.
Maulbertsch zeigt die Erschaffung der Menschheit, wie sie Ovid in den Metamorphosen beschreibt und nicht nach der Bibel. Hintergrund ist die antike Mythologie, der zufolge Prometheus den Menschen aus Lehm geformt und mit Hilfe von Athena Leben eingehaucht hat. Prometheus hat als Wohltäter der Menschen durch eine List auch dafür gesorgt, dass den Göttern nur noch die Knochen der Opfertiere dargeboten werden müssen und die Menschen das Fleisch behalten dürfen. Über diese List erzürnt, nimmt Zeus den Menschen das Feuer. Prometheus gibt es ihnen zurück, indem er es von der Sonne stielt. Zur Strafe schickt Zeus den Menschen Pandora, die aus ihrer Büchse das Unheil – hier in Gestalt der Kentauren – auf die Welt entlässt.
Entgegen den Ausführungen des 1995 erschienenen Katalogs der Reuschel-Sammlung handelt es sich nach Hubert Hosch (Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Bd. 54/55, 2000/2001) nicht um eine Simultandarstellung, bei der Prometheus am Opferaltar steht und dem soeben zum Leben erweckten Menschen unter dem Schutze Athenas den Feuerstab überreicht, während gleichzeitig im Hintergrund noch die unbelebte, statuenhafte Gestalt des Menschen zu sehen ist. Hosch interpretiert die Figur im Vordergrund überzeugend als Genius des Menschen (mit Sternenkleid und Opferschale). Dieser wird von Prometheus für den irdischen Menschen belebt, der im Hintergrund als nackte zum Licht strebende Figur dargestellt ist.
Die für Maulbertsch erstaunliche Feinmalerei, bei der mit spitzem Pinsel die Details und Lichthöhungen sorgfältig ausgeführt sind, spricht für ein eigenständiges Kabinettbild und nicht für einen vorbereitenden Entwurf.

Franz Anton Maulbertsch: Erschaffung des Menschen durch Prometheus, um 1788